Beitrag im Nachrichtenblatt (korrigierte Version)

Am 15. März 2018 wird die Sendung "Stadt Land Quiz" in Maikammer gedreht.

Moderator: Matzinger

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Beitrag von admin » Samstag 10. März 2018, 12:13

Am 15. März 2018 dreht das SWR-Fernsehen in Maikammer eine Folge "Stadt Land Quiz". Die Sendung wird am 07. April 2018 um 18.45 Uhr im SWR-Fernsehen ausgestrahlt. Sie behandelt das Thema "Erfinder". Maikammer kam in die Auswahl, weil von hier die Erfinder des klappbaren Zollstocks stammen: Franz und Anton Ullrich. Maikammer tritt gegen die baden-württembergische Gemeinde Waldachtal im Landkreis Freudenstadt an. Dort wurde der Fischer-Dübel erfunden.

Das Besondere von "Stadt Land Quiz" ist: Der Moderator Jens Hübschen spielt nicht in einem Fernsehstudio mit ausgewählten Kandidaten, sondern spontan mit Menschen auf der Straße, also vor Ort in Maikammer. Aus diesem Anlass werden hier die wichtigsten Daten zur Erfindung des Klappmeters zusammengestellt. Zum Nachlesen sehen Sie bitte die Internetseite des Club-Sellemols unter der Rubrik Maikammer und seine großen Söhne – Anton Ullrich: http://www.club-sellemols.de

Zur Geschichte des Klappmeters und der Firma Ullrich

Genau genommen ist es nicht der Zollstock (Klappmeter, Maßstab), den die Maikammerer Familie Ullrich erfunden hat. Die Erfindung heißt offiziell: „Gelenkmaßstab mit Gelenkfedersperre“ und wurde im Jahr 1886 patentiert. Anton Ullrich soll gut dreißig Jahre an seinem Klappmeter getüftelt haben. Bis dahin knickte ein normaler Gelenkmetermaßstab in sich zusammen, wenn man ihn hochkant nutzen wollte. Im Jahre 1886 war das Problem gelöst: die Gelenkfedersperre war erfunden. Der Meter blieb beim Ausklappen starr. Eine Erfindung, die noch heute unverändert angewendet wird.

Auf der Weltausstellung in Paris im Jahre 1889 wurde der Klappmeter präsentiert, gleichzeitig mit der Erfindung des klappbaren Zylinders. So schreibt Judith Ziegler Schwaab: „Der Chapeau Claque, jene Errungenschaft, die jeder Besucher mit nach Hause nahm. Der ausklappbare Zylinder und der zusammenklappbare Meter passten in jeden Koffer und gingen auf Siegeszug um die Welt.“ In Paris soll Ullrich 1855 auch seine erste Maschine erworben haben. Und weiter: „Unternehmergeist war den Ullrichs in die Wiege gelegt. Vater Leonhard hatte 1820 im Erkerhaus in der unteren Neugasse (St. Martinerstrasse) einen Landhandel begründet und die Mutter betrieb dort einen Kolonialwarenladen. Der ältere Sohn half daheim mit, während der jüngere die höhere Schule besuchte. Der 25jährige Anton heiratete 1851 eine Tochter des Adlerwirts Schmitt, übernahm den väterlichen Handel, und begann im Hause des Schwiegervaters in der Habergasse (Eckhaus mit Treppengiebel, Hartmannstraße/Hintergasse) mit der Produktion von Gelenkmaßstäben. Aus der kleinen Werkstatt entwickelte sich die erste Meterfabrikation Deutschlands.“

Die Ullrichs errichten auf den Dieterwiesen, unterhalb der heutigen Schloßstraße im Jahre 1860 eine erste Fabrikhalle und man erweitert das Sortiment um die Fertigung von Kuh-und Pferdestriegeln. Acht Jahre später beginnt mit 60 Beschäftigten auch die Produktion von Schwarzblechgeschirr und schließlich von verzinntem Geschirr für den täglichen Gebrauch. 1877 werden die ersten erfolgreichen Emaillierversuche durchgeführt und man erbaut auf den Dieterwiesen das erste Emaillierwerk der Pfalz. Die Gebrüder Ullrich gehören somit nach den Gebrüdern Baumann in Amberg zu den ersten Fabrikanten, die emaillierte Blechgeschirre im Deutschen Reich fertigen konnten.

Im Jahr 1884 werden bereits 250 Arbeitnehmer beschäftigt. Für die Belegschaft, die auch aus der Ferne nach Maikammer kommt, muß neuer Wohnraum geschaffen werden. Ihrer sozialen Verantwortung bewußt, erstellen die Brüder auf eigens angekauftem Gelände Arbeiterwohnungen mit für die damalige Zeit moderner Ausstattung. So entsteht der erste Teil der Schlossstraße.

Im Jahr 1889 gründet Gustav Ullrich, ein Sohn von Franz Ullrich, in Annweiler am Trifels eine Zollstockproduktion, sowie ein Emaillierwerk, aus der später die „Annweiler Email- und Metallwerke Ullrich AG“ hervorgeht. Heute befindet sich dort das Unternehmen „Stabila Messgeräte Gustav Ullrich GmbH“, das noch heute unter anderem Klappmeter produziert.

1890 trennen sich die Brüder Franz und Anton Ullrich: Franz folgt seinem Sohn Gustav nach Annweiler. 1890 wird die Firma: „Emaillir- und Stanzwerke vormals Gebrüder Ullrich, Maikammer“ ins Handelsregister eingetragen und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Gustav Ullrich ist es auch, der 1895 nach Moskau und St. Petersburg reist und einen Großauftrag mitbringt: die Produktion des sogenannten „Zarenbechers“. Der russische Zar Nikolaus II. hatte sich überlegt, anlässlich seiner bevorstehenden Krönung im Mai 1896 seinem Volk emaillierte Becher zu schenken. Darauf sollten sein Name, das Krönungsdatum und das Reichswappen abgebildet sein. Einer dieser Becher ist heute im „Museum unterm Trifels in Annweiler“ ausgestellt. Außer den Ullrich’schen Werken in Annweiler und Maikammer erhalten weitere Emaillierwerke aus Deutschland den Auftrag zur Fertigung der genormten Becher.
Während der Feierlichkeiten kommt es schließlich zur Tragödie: Mehrere Hundert Menschen kommen ums Leben. Der Vorwurf an den Zaren, „der tanzte, während sein Volk verblutete“, wird ihn 1918 bei der Oktoberrevolution einholen.

Das Maikammerer Werk, in seiner Expansion in den Dorfgrenzen eingeschränkt, expandiert nach Außen: 1905 werden die Anlagen der Emaillefabrik der Gebrüder Keßler am Bahnhof Maikammer-Kirrweiler erworben. Ein weiteres Emaillierwerk entsteht in Schifferstadt.

Schon bald zieht der I. Weltkrieg auf. Die Ullrich´schen Werke in Maikammer produzieren jetzt außer Geschirren nun auch Granathülsen.
Schon während des Krieges brechen die umfangreichen Handelsverbindungen zu Frankreich und Rußland ab und das Unternehmen fährt Verluste ein.
Nach dem Tod von Direktor August Ullrich (ein Sohn von Anton Ullrich) im Jahre 1925 bestimmt die Aktiengesellschaft einen Geschäftsführer für das Unternehmen. Im Jahre 1928, ein Jahr vor der Weltwirtschaftskrise wird das Unternehmen liquidiert und schließt für immer. Damit stehen 500 Arbeiter und Arbeiterinnen auf der Straße.
Die Gemeinde sieht sich nun vor die Aufgabe gestellt, eine große Anzahl von Arbeitslosen zu beschäftigen. Sie beauftragt den Bau der Kalmitstrasse. Bei deren Bau werden zahlreiche Arbeiter der ehemaligen Fabrik in einer Notstandsmaßnahme beschäftigt. Die Planung übernimmt der Geheimrat Franz Allmaras, den die Gemeinde Maikammer später aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenbürger ernennen wird.

Nach der Liquidation des Unternehmens in Maikammer im Jahre 1928 wird alles verkauft, was noch vorhanden ist. Waren, Einrichtung und Betriebsgebäude, ja jeder Backstein wird veräußert. Das große Betriebsgelände liegt brach. Am 18. April 1931 werden die Schornsteine von ehemaligen Pionieren aus Speyer gesprengt. Auf dem Gelände entsteht durch Prälat Franz Eichenlaub ein Fußballplatz auf dem Gelände.

Heute erinnern noch die ehemaligen Arbeiterwohnungen in der Schlossstraße, das Anwesen „Villa Ullrich“ in der Weinstraße Nord Nr.47, das imposante „Klappmeterhaus“ in der Hartmannstraße und das Kunstwerk „Klappmeter“, neben vielen Artefakten aus der Geschirrproduktion an das weltweit tätige Unternehmen aus Maikammer.

Die Plastik "Klappmeter" entstand im Rahmen des Projektes "Blickpunkte" zu den "Kulturtagen Südliche Weinstrasse 2000". Er trägt die Aufschrift: „Das Maß aller Dinge!“. Geschaffen wurde das Werk von den Künstlern Lucie Wegmann und Daniel Moriz Lehr.

Quellen:
Franz Berthold, „Die Ullrich’schen Werke - Ein Beitrag zur Industriegeschichte der Pfalz“ Erscheinungsjahr 1990“
Judith Ziegler-Schwaab, "Der Klappmeter - eine Erfindung aus Maikammer"


Matthias C.S. Dreyer und Markus Hener, Club-Sellemols

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